Pfadfinder trotzen der Pandemie

26.08.2020 19:47

Baumhaus Handwerken

Die Sommerferien waren für die Pfadfinder der DPSG (Deutsche Pfadfinderschaft St. Georg) in Neustadt anders als sonst. Zum ersten Mal seit 35 Jahren konnte kein Zeltlager stattfinden. Stattdessen haben die Leiterinnen und Leiter vom Stamm St. Peter und Paul am Anfang der großen Ferien ein Sommerlager per Post verschickt.

Auf die rund 50 Kinder und Jugendlichen wartete am ersten Ferientag ein kleines Päckchen. Darin befanden sich ein Aufnäher für die Kluft (so wird das Pfadfinderhemd genannt), das Lieblingsgetränk aus dem Sommerlager („Krümeltee“), ein exklusiver DPSG-Kugelschreiber, ein Aufkleber mit einer Pfadfinder-Lilie, Blumensamen zum Aussäen, eine Pfadfinder-Zeitschrift, schwarzer Zeltstoff zum Basteln, ein Ausmal-Bild, Schnur zum Knoten-Üben, zwei Kochrezepte – und ein Bingo-Zettel mit verschiedenen Aufgaben. „Versuche, mit Deiner Familie einen Tag lang keinen Müll zu verursachen“, „Backe einen roten Kuchen“, „Baue ein Mini-Zelt“ oder „Gestalte einen Sommerlager-Stein und bringe ihn zum Gemeindehaus“: Für jedes Alter waren passende Aufgaben dabei.

„Es freut uns, dass wir auf diese Weise mit den Kindern und Jugendlichen in Kontakt bleiben konnten“, sagt Stammesvorstand Hans Höing. „Wenn schon das Highlight – das Sommer-Zeltlager – ausfallen musste, so haben wir dennoch das Beste aus der Situation gemacht und konnten wenigstens ein bisschen Sommerlager-Gefühl nach Hause bringen.“ Auch auf die Leiterinnen und Leiter wartete eine kleine Überraschung im Briefkasten. Die beiden Stammesvorstände Wolfgang Winkler und Hans Höing verschickten ein eigenes „Leitungs-Bingo“ samt Beigaben an die Ehrenamtlichen. „Das war uns wichtig“, so Wolfgang Winkler, „Gemeinschaft und Wertschätzung kommen bei uns auch in Zeiten von Covid19 nicht zu kurz.“

Drei „richtige“ Aktionen waren dank der Mitte Juli beschlossenen Regelungen vom Land Niedersachsen dann doch möglich. So trafen sich die Jungpfadfinder an zwei Tagen im Haus Rieth im Bordenauer Wald. Die 9-12jährigen bauten unter fachkundiger Anleitung von Leiterin Meike Sollich, Thomas Maibaum und Reinhard Sollich (der den Stamm vor fast 40 Jahren mitgegründet hat) ein Baumhaus. „Die Aktion hat allen sehr gut gefallen. Man hat deutlich gespürt, wie sehr den Jungpfadfindern die Gemeinschaft mit den anderen Kindern gefehlt hat und wie motiviert sie bei der Arbeit waren“, freut sich Meike Sollich: „Toll, dass wir nun ein eigenes, selbstgebautes Pfadfinder-Baumhaus haben!“ Bei der Aktion haben die neun Mädchen und Jungen gesägt, gebohrt, geschraubt, gestrichen – und zum ersten Mal in ihrem Leben mit Bohrer und Stichsäge gearbeitet.

Ein weiteres Projekt war die sogenannte „Stufung“ der Pfadfinder-Stufe zu den Rovern. Die acht Pfadfinder waren mit 16 Jahren soweit, dass sie in die letzte der vier Altersstufen wechseln konnten – zu den sogenannten Rovern. Auf sie wartete ein kleines Geländespiel – sorgfältig und mit Liebe zum Detail vorbereitet und durchgeführt von einem Team aus zehn Rovern und Leitungen. Auf die acht Pfadfinder*innen warteten dabei zahlreiche Aufgaben, die sie gemeinsam bewältigen mussten. Dazu gehörte unter anderem der langwierige Aufbau einer sogenannten „Kohte“ – ein typisches Pfadfinder-Zelt aus schwarzen Planen. Außerdem überlegten sich die Jugendlichen Dinge, die ihnen für ihre Zeit in der neuen Altersstufe wichtig sind und bekannten sich dazu in der abschließenden Versprechensfeier. Im Anschluss erhielten sie ihre neuen, roten Halstücher – das offizielle Zeichen für die Rover-Stufe.

Als drittes Projekt wurde der Kanu-Anhänger vom Pfadfinder-Stamm repariert. Eine neue Bodenplatte war nach vielen Jahren nötig. In einer Tages-Aktion wurde sie mühevoll ausgewechselt. „Jetzt sind wir auch für die nächsten Jahre für unsere Kanu-Touren wieder gewappnet“, verkündet Leiter Christian Keiter stolz. Er kann die nächste gemeinsame Paddeltour kaum erwarten. „Egal, wie das Wetter ist. Hauptsache, wir können wieder zusammen unterwegs sein!“

Neue Kinder können die Pfadfinder zur Zeit leider nicht aufnehmen. Das verbieten die Corona-Regelungen. Eine Warteliste wird aber geführt. „Gleichzeitig sind wir für jede Unterstützung dankbar“, lässt Hans Höing wissen. „Auch an uns geht die Pandemie nicht spurlos vorbei; wir sind vor allem auf interessierte und motivierte Ehrenamtliche angewiesen, die die Kinder und Jugendlichen in ihrer Freizeit begleiten und denen Gemeinschaft wichtig ist. Und Menschen, die uns finanziell unterstützen wollen, können wir guten Gewissens sagen: Jeder Cent kommt direkt bei den jungen Menschen an“.

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